Bericht

Es waren ca. 60 Menschen, die sich am 14.12.13 um 14 Uhr am Rathausplatz in Heidenheim einfanden, um bei Kälte und einsetzendem Schneefall im Gedenken an die Opfer rechter Gewalt Flagge gegen Faschismus zu zeigen. Neben Heidenheimer Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern antifaschistischer Gruppen und Mitgliedern von DKP, Gewerkschaften, Linkspartei, Solid, Jusos und der Heidenheimer Geschichtswerkstatt waren auch Angehörige der Opfer des Heidenheimer Dreifach-Mordes anwesend.

Bereits seit 12 Uhr hatten Antifa-Aktivisten mit Infoständen am Bahnhof sowie am Rathaus mit Flugblättern über die nun fast 10 Jahre zurückliegende Bluttat und ihre Hintergründe informiert.

Eröffnet wurde die Kundgebung mit einem gemeinsamen Redebeitrag der antifaschistischen Gruppen aus Heidenheim sowie der Region Ostalb, in dem neben dem lokalen Bezug auch der gesellschaftliche Kontext rechter Ideologie angesprochen wurde. Es folgten Beiträge von Vertretern der Antifaschistischen Gruppe Göppingen sowie des Antirassistischen Jugendaktionsbüros Kempten. Thematisiert wurden hierbei der am 17.7.2013 durch einen Neonazi begangene Mord an einem 34jährigen Mann aus Kasachstan, sowie die rechte Szene in Göppingen, die ebenfalls bereits für Mordanschläge und -drohungen gegenüber politischen Gegnern verantwortlich ist.

Nach den Reden setzte sich vom Rathaus ausgehend ein kleiner Demonstrationszug in Bewegung. Nur wenige Straßen entfernt befindet sich der Hof der ehemaligen Diskothek K2, vor der sich die Bluttat im Dezember 2003 ereignete. An selber Stelle wurde eine weitere Kundgebung abgehalten, auf der ein Mitglied des Arbeitskreises „Unvergessen – Opfer rechter Gewalt in Baden Württemberg“ einen Redebeitrag hielt.

Am Bahnhof Heidenheim endete die Demonstration schließlich mit einer Endkundgebung, auf der ein Redner aus Ulm zum Thema Antisemitismus und anderer menschenverachtender Ideologie sprach.

Wir betrachten die Veranstaltung als einen ersten Ansatz, die seit fast 10 Jahren herrschende Mauer des Schweigens in Heidenheim aufzubrechen und der kollektiven Verdrängung entgegenzuwirken.

Abgesehen von einer antifaschistischen Kundgebung im Jahre 2005 gab es infolge der Bluttat jedes Jahr zumindest kleine Mahnwachen, an denen neben Angehörigen der Opfer vor allem Vertreter von Antifa und DKP teilnahmen. Auch Flugblatt-Aktionen und kleine Spontan-Demos wurden zeitweise abgehalten, die jedoch kein mediales Echo fanden. Im Gegensatz hierzu hat die Heidenheimer Zeitung aktuell unseren Aufruf zum Gedenken aufgegriffen und mit Artikeln dazu beigetragen, die damaligen Ereignisse ins Bewusstsein zurückzurufen.

Klar benannt wurde der fremdenfeindliche Hintergrund der Tat, was auch als deutliche Abgrenzung zur bis heute anhaltenden Bagatellisierung rechter Ideologie und Gewalt durch die Heidenheimer Stadtführung angesehen werden kann. Diese hatte sich erst in einer aktuellen Stellungnahme damit gebrüstet, dank ihrer konsequenten Ignoranz allen „rechten und linken Extremisten“ den Boden unter den Füßen weggezogen zu haben. Uns überrascht dieses armselige Bekenntnis der Unbelehrbaren in keiner Weise. Wie viel hier reiner Ignoranz, und wie viel den tatsächlichen Überzeugungstätern in den Reihen der Konservativen geschuldet ist, darüber wäre zu diskutieren. Gerade in der aktuellen Debatte um das Rommel-Denkmal, das neben CDU und Junger Union auch die Würdigung neo-nazistischer Gruppen erfährt, offenbart sich der unerschütterliche Hang so mancher „Demokraten der Mitte“ zu Nationalismus und Geschichtsrevisionismus.

Letztlich wollen wir auch die Frage offen lassen, ob sich die eher geringe Beteiligung der Heidenheimer Bevölkerung an dem Gedenken primär mit ideologischen Scheuklappen gegenüber den Organisatoren, oder nicht auch vielmehr mit schlichter Gleichgültigkeit erklären lässt. Natürlich dürfen aber auch der ermutigende Zuspruch sowie die Solidaritätsbekundungen von vielen Menschen (u.a. Migranten-Gruppen und Spätaussiedler), die aus verschiedenen Gründen nicht am Samstag teilnehmen konnten, nicht unerwähnt bleiben.

Dass sich Zynismus und Ressentiment in den herrschenden Verhältnissen meist leichter Bahn brechen als emanzipatorisches Denken und Handeln, wird insbesondere in eher provinziell-konservativen Verhältnissen offenkundig, wo es meist an Formen alternativer Gegenkultur und -politik mangelt. Auch in Heidenheim spüren wir den Verlust verschiedener Strukturen schmerzlich.

Umso wichtiger wird es in Zukunft bleiben, die progressiven Formen linker, libertärer und antifaschistischer Politik zu fördern und stets gegenüber dem wachsam zu sein, was mal mehr, mal weniger offen an reaktionären Tendenzen und Zuspitzungen in der bestehenden Ordnung lauert.

Zum Schluss wollen wir natürlich allen unseren Genossinnen und Genossen danken, die ungeachtet der eher kurzen Mobilisierungszeit aus anderen Städten zu uns kamen und uns tatkräftig unterstützten, trotz zeitgleich stattfindender großer Demonstrationen in Mannheim und Freiburg.

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